MIT: flexible Nanopartikel bauen neue Materialien und brechen eine 20-Jahre-Regel

Forschende des MIT und der University of Delaware haben einen neuen Weg entwickelt, flexible Nanopartikel zu maßgeschneiderten Materialien zusammenzusetzen: Statt starrer Verbinder nutzten sie superflexible Moleküle mit elektrisch geladenen Enden, die sich biegen und neu ordnen, bis sie die stabilste Bindung finden. Die Arbeit erschien am 2. November 2026 in Nature Materials unter dem Titel „Breaking symmetry in nanoparticle superlattices via spontaneous valency“.

Warum Flexibilität das Spiel verändert

Nanopartikel zu größeren Strukturen zusammenzusetzen ist schwierig, weil gesteuert werden muss, wie viele Nachbarn jedes Partikel bindet und in welche Richtung. Bisher änderten die vorherrschenden Strategien die Partikelform oder richteten starre Verbindungsketten, sogenannte Liganden, präzise aus. Laut MIT funktionieren diese Methoden für ein Material, in einem Maßstab und unter einer Bedingung — und lassen sich schwer skalieren.

Der neue Ansatz kehrt diese Logik um. Die Nanopartikel tragen flexible Polymer-Liganden, manche mit positiv, andere mit negativ geladenen Enden. Da sich entgegengesetzte Ladungen anziehen, biegen sich die Ketten, um benachbarte Partner zu erreichen. Diese spontane Neuordnung begrenzt von selbst, wie viele Nachbarn jedes Partikel binden kann — die sogenannte spontane Valenz.

Was das Team gezeigt hat

In Experimenten unter Leitung des Doktoranden Nicholas Sbalbi zeigte das Team, dass sich die Verbindungen steuern lassen, indem man die Nanopartikelgröße und die Ligandenkettenlänge verändert. Damit bauten die Forschenden bisher ungesehene Kristallstrukturen mit weniger dichten Gittern als bei der traditionellen dichten Packung.

Für Rob Macfarlane, Professor am Department of Materials Science and Engineering des MIT, stellt das Ergebnis eine Faustregel von rund 20 Jahren infrage: Liganden müssten starr sein, und jede Abweichung lasse die Assemblierung scheitern. „Wir haben gezeigt, dass es genauso gut funktioniert, wenn man vollständig ins entgegengesetzte Extrem geht“, sagte er gegenüber MIT News.

Wozu das werden könnte — und was es noch nicht ist

Als mögliche Anwendungen nennen die Forschenden Photonik, chemische Katalyse, Medizin, Landwirtschaft und Energie, gerade weil weniger dichte Netzwerke Raum lassen, Licht, Reaktionen und die Wirkstoffabgabe zu steuern. Die Grenze ist wichtig: Es handelt sich um ein Laborergebnis in einer begutachteten Fachzeitschrift, nicht um ein validiertes kommerzielles Produkt oder einen Leistungsnachweis im industriellen Maßstab.

An der Arbeit beteiligt sind außerdem Stephen Kronenberger von der University of Delaware, Hana Shinzawa, Bachelorstudentin am MIT, Matthew Ye sowie Arthi Jayaraman, ehemalige Professorin der University of Delaware. Gefördert wurde die Arbeit von der National Science Foundation, dem US-Energieministerium, der US-Armee und der US-Marine; genutzt wurden Einrichtungen von MIT.nano.

Bildnachweis

Bild: mit freundlicher Genehmigung der Forschenden, via MIT News und Nanowerk.

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