Die NASA wird am 7. und 9. November 2026 ein Manöver ausführen, das noch kein Raumfahrzeug einer Raumfahrtagentur zuvor geflogen ist: einen motorisierten Vorbeiflug an der Erde. Die beiden Sonden der Mission ESCAPADE (Escape and Plasma Acceleration and Dynamics Explorers), Blue und Gold, nutzen die Gravitation unseres Planeten und zünden am Punkt der größten Annäherung etwa 9 Minuten lang ihr Triebwerk, um Schwung Richtung Mars zu gewinnen.
Warum am schnellsten Punkt zünden
Das Manöver, auch Oberth-Manöver genannt, nutzt den Moment, in dem das Raumfahrzeug am schnellsten ist. Laut NASA erhöht die Trans-Mars-Injektionszündung die Geschwindigkeit von etwa 6,3 auf etwa 6,7 Meilen pro Sekunde — ein Zugewinn von über 1.000 Meilen pro Stunde. Diese Kombination aus Gravitation und Triebwerk verwandelt den Vorbeiflug in eine motorisierte Schleuder.
- 7. November, gegen 5 Uhr EST (Zündbeginn 4:51 Uhr EST): Vorbeiflug und Zündung von Blue.
- 9. November, gegen 6 Uhr EST (Zündbeginn 5:51 Uhr EST): Vorbeiflug und Zündung von Gold.
- 7. und 9. September 2027: geplante Ankunft am Mars nach etwa 10 Monaten Flug.
- Höhe bei größter Annäherung: zwischen 600 und 1.100 Meilen über der Oberfläche, laut NASA.
Was die Mission am Mars untersuchen wird
Am Mars wird ESCAPADE die erste Mission sein, bei der mehrere Raumfahrzeuge in Formation um den Planeten fliegen. Ihr Ziel ist zu untersuchen, wie der Sonnenwind — ein Materialstrom von der Sonne, der laut NASA mit etwa einer Million Meilen pro Stunde strömt — mit der Marsumgebung wechselwirkt und den Atmosphärenverlust antreibt. Da zwei Sonden gleichzeitig messen, können Wissenschaftler unterscheiden, was sich von Ort zu Ort ändert und was sich mit der Zeit ändert — für einen einzelnen Orbiter unmöglich.
Das Risiko und die einjährige Wartestrecke
Das Risiko ist real und einkalkuliert: Zündet das Triebwerk einer Sonde im November-Fenster nicht, verpasst sie ihre Trans-Mars-Injektion, und das nächste brauchbare Fenster würde sich erst in etwa zwei Jahren öffnen, so die Missionsberichterstattung. ESCAPADE wurde als kostengünstige Mission mit höherer Risikotoleranz im Rahmen des NASA-Programms SIMPLEx konzipiert; die Gesamtkosten liegen unter 80 Millionen US-Dollar, so Hauptforscher Robert Lillis von der University of California, Berkeley.
Die ungewöhnliche Route erklärt das Jahr des Wartens: Die am 13. November 2025 mit Blue Origins Rakete New Glenn gestarteten Sonden flogen nicht direkt zum Mars, weil sich Erde und Mars auf gegenüberliegenden Seiten der Sonne befanden. Stattdessen flogen sie eine bohnenförmige Schleife um den Erde-Sonne-Lagrange-Punkt L2 und kehrten zur Erde zurück, nun da die Planeten wieder ausgerichtet sind — eine Strategie, die bei Erfolg den 26-Monats-Rhythmus lockern könnte, der traditionell Marsreisen bestimmt. Die NASA weist zudem darauf hin, dass Beobachter mit Teleskop versuchen können, die etwa kühlschrankgroßen Sonden als schwache Punkte zwischen den Sternen zu erspähen.
Bildnachweis: Künstlerische Darstellung von ESCAPADE in der Marsumlaufbahn, via Wikimedia Commons (NASA / Rocket Lab).
Quellen: NASA Science; TechTimes.
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