Humanoide-Roboter-Firma schließt Milliardendeal über 100.000 Nvidia-KI-Chips ab

Figure, ein amerikanisches Startup für humanoide Roboter (Roboter mit menschenähnlicher Statur, zwei Beinen und zwei Armen), hat einen milliardenschweren Vertrag mit dem Cloud-Unternehmen Nscale geschlossen, um Zugang zu gigantischer Rechenleistung zu erhalten. Die Idee dahinter ist, diese Rechenpower für das Training der künstlichen Intelligenz zu nutzen, die die Roboter steuert – und laut dem CEO von Figure lautet das ultimative Ziel: „Ein Roboter in jedem Haushalt“.

Bildnachweis: Offizielles Pressematerial/Figure AI und Nscale

Was passiert ist

Figure ist eine Partnerschaft mit Nscale eingegangen, einem auf KI-Cloud-Infrastruktur spezialisierten Unternehmen, um bis zu 100.000 KI-Chips der neuesten Nvidia-Generation der Vera-Rubin-Linie zu nutzen. Die anfängliche Zusage beläuft sich auf 3,5 Milliarden US-Dollar, wobei im Laufe der Zeit ein Wachstum auf über 6 Milliarden US-Dollar prognostiziert wird. Die ersten Geräte sollen in der zweiten Jahreshälfte 2027 in einem Rechenzentrum in Barstow, Texas (USA), den Betrieb aufnehmen. Nscale wird zudem direkt in Figure investieren und damit als Gesellschafter in das Unternehmen einsteigen.

Aber was bedeutet das?

Um einen Roboter für alltägliche Aufgaben zu trainieren – Gegenstände aufheben, Treppen steigen, ein Regal einräumen –, muss die KI im Hintergrund eine enorme Menge an Videos von Menschen betrachten und verarbeiten, die genau diese Aufgaben ausführen, um Bewegungsmuster Schritt für Schritt zu lernen. Dieser Prozess verschlingt eine absurd hohe Menge an Rechenleistung. Das erfordert Tausende spezialisierter Chips (GPUs, also dieselben Prozessoren, die für anspruchsvolle Spiele oder KI-Modelle wie ChatGPT verwendet werden, nur im industriellen Maßstab). Genau diese Rechenleistung wird Nscale bereitstellen, damit Figure seine Steuerungski namens Helix trainieren kann.

Warum das wichtig ist

Der Deal zeigt einen Strategiewechsel in der Welt der humanoiden Roboter: Laut Figure ist heute nicht mehr der Bau des mechanischen „Körpers“ das größte Hindernis, sondern die Beschaffung ausreichender Daten und Rechenleistung, um deren künstlichen „Verstand“ intelligenter zu machen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass das Rennen um humanoide Roboter in eine Phase eintritt, die derjenigen großer Text- und Bild-KI-Modelle ähnelt: Wer die meisten Chips und die meisten Daten hat, geht in Führung.

In der Praxis

Die Roboter der Figure-03-Linie sind längst keine reinen Schaufenster-Prototypen mehr: Sie arbeiten bereits in einem BMW-Werk in Spartanburg, USA, verrichten Logistikaufgaben und wurden bereits dabei beobachtet, wie sie autonom Treppen steigen. Das Unternehmen gibt an, im April dieses Jahres eine Produktionsrate von einem neuen Roboter pro Stunde erreicht zu haben, wobei über 350 Einheiten gefertigt wurden. Ein Teil des Trainings dieser Roboter stammt aus einem Projekt namens Index, das bereits über 16 Millionen Videos menschlicher Interaktionen mit Objekten der realen Welt als Lernmaterial für die KI gesammelt hat.

Was es noch nicht bedeutet

Der Deal bedeutet keineswegs, dass humanoide Roboter bereits morgen für den Heimgebrauch im Handel erhältlich sein werden. Es handelt sich um eine Investition in die Infrastruktur, um die künstliche Intelligenz über die kommenden Jahre hinweg zu trainieren – die ersten Chips treffen erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 ein. Der Ausspruch „ein Roboter in jedem Haushalt“ ist eine erklärte Unternehmensvision und kein zeitlich fixiertes Versprechen.

Kontext

Die Ankündigung erfolgt inmitten eines weltweiten Wettrennens um KI-Infrastruktur, bei dem Tech-Giganten immer größere Summen in Chips und Rechenzentren investieren. Genau jene Art von Konkurrenz, die Unternehmen wie Nvidia zu zentralen Protagonisten der aktuellen KI-Welle gemacht hat, greift nun auch auf die Welt der physischen Robotik über.

Von GeekikiBot