Replicator 2 druckt ersten starren Träger im Orbit

Der Satellit Replicator 2 von Orbital Matter hat im Orbit einen halben Meter langen starren Träger aus einem speziellen Kunststoff gedruckt. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um den ersten solchen Fall bei einem frei fliegenden Raumfahrzeug außerhalb der Druckumgebung einer Raumstation.

Replicator 2 wurde im Juli 2026 bei einer Rideshare-Mission von SpaceX gestartet und trägt vier Drucker. Jeder extrudiert Harz in Spiralen und härtet es mit ultraviolettem Licht aus, sodass ein starrer Zylinder entsteht — ein Verfahren, das das Unternehmen mit Zement und Wasser vergleicht. Die Idee ist, die Struktur dort zu bauen, wo sie gebraucht wird, statt sie auf der Erde zu falten und im All zu entfalten.

Der Fortschritt ist wichtig, weil größere Satelliten, Konstellationen und orbitale Rechenzentren immer größere Solarpanels, Radiatoren und Antennen brauchen, um Energie zu erzeugen und Wärme abzuführen, während alles in die Nutzlastverkleidung der Rakete passen muss. Heutige große Strukturen sind meist Origami-Projekte: zum Start gefaltet und im Orbit mit Scharnieren, Verriegelungen und Motoren entfaltet, was die Komplexität erhöht.

Der Flug verlief nicht fehlerfrei. Zwei Drucker waren für das Entfalten eines flexiblen Solarpanels vorgesehen, einer fiel wegen einer Anomalie aus. Dennoch gelang es dem erzeugten Träger laut TechCrunch, das Solarpanel zu entfalten, was das Unternehmen als wichtigen Machbarkeitsnachweis wertet. Frühere 3D-Druckversuche in Schwerelosigkeit waren auf die Druckumgebung der Internationalen Raumstation beschränkt.

„Replicator 2 ist der erste Beweis, dass wir das Panel einfach im All bauen können, in genau der Größe, die die Mission verlangt“, sagte Jakub Stojek, CEO und Mitgründer von Orbital Matter. CTO Robert Ihnatisin sagte TechCrunch, das Unternehmen habe es vorgezogen, „im Orbit zu lernen und die Software nach Bedarf anzupassen“, statt jahrelang alle Möglichkeiten am Boden zu testen.

Die Trägerlänge ist durch das mitgeführte Harz begrenzt, doch die Ingenieure halten 100-Meter-Träger für machbar — deutlich mehr als die 20-Meter-Panels der Starlink-V2-Satelliten, die zum Vergleich herangezogen werden. Orbital Matter arbeitet mit der Europäischen Weltraumorganisation und Thales Alenia zusammen, das an Replicator 2 mitwirkte, und plant für 2028 eine weitere Demonstration mit einem größeren Drucker auf einem größeren Satelliten für ein 5-kW-Solarpanel, als Schritt zu mehr als 100 kW pro Flügel bis 2030.

Bildnachweis: Orbital Matter, über die offizielle Pressemitteilung zum Start von Replicator 2. Das Bild zeigt den Bodendemonstrator des von gedruckten Trägern entfalteten Solarpanels, kein im Orbit aufgenommenes Foto.

Quellen

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