Microsoft patentiert In-Game-Werbung nach Bosskämpfen und Ladebildschirmen

Microsoft hat ein Patent für Werbung in PC- und Konsolenspielen angemeldet, die in vom Spiel selbst identifizierten Pausen ausgespielt wird. Anstatt das Gameplay mitten in einem Kampf zu unterbrechen, würde das Werbesystem das Ende eines Bosskampfes, eine Cutscene, eine Mission oder einen Ladebildschirm abwarten.

Was ist passiert?

Der unter der Nummer US 2026/0260258 A1 veröffentlichte und mit Contextually Aware Management of Interactive Software Application Access betitelte Antrag wurde im April 2026 eingereicht und am 3. September veröffentlicht. Medien wie TechSpot, Tom's Hardware und das chinesische Portal IT之家 (IT Home) haben das Dokument an diesem Wochenende und am Montag (21.) detailliert analysiert.

Die Idee hinter dieser In-Game-Werbung ist simpel und unterscheidet sich deutlich von dem, was Spieler von Mobile Games gewohnt sind. Der Gamer startet mit einer ununterbrochenen Phase — zum Beispiel 30 Minuten oder der Dauer eines Levels. Wenn dieses Guthaben zur Neige geht, bricht das Spiel die Action nicht abrupt ab. Es wartet stattdessen auf ein natürliches Ereignis, pausiert die Interaktion, zeigt den Werbeinhalt an und gibt danach die Kontrolle zurück.

Das Ansehen des Videos würde einen neuen Block ununterbrochener Spielzeit einbringen, der als „Guthaben“ bezeichnet wird. Der Text des Patents nennt verschiedene Varianten: etwa eine Stunde im Tutorial, 30 Minuten in der Kampagne und 20 Minuten im Online-Multiplayer. Zudem wird die Möglichkeit erwähnt, sich mehrere Anzeigen hintereinander anzusehen, um Guthaben anzuhäufen.

Wie würde das in der Praxis funktionieren?

Der technische Kniff bei dieser In-Game-Werbung ist die Nutzung des jeweiligen Spielzustands. Die Game-Engine würde Signale — wie das Ende eines Bosskampfs, Checkpoints, Menüs, Ladebildschirme oder abgeschlossene Missionen — an ein Content-Managementsystem senden. Dieses System würde das Ereignis mit dem verbleibenden Guthaben abgleichen und erst dann entscheiden, ob das Werbematerial angezeigt wird.

Während das Video oder das Werbebild läuft, würde die Session eingefroren. Die erklärte Absicht ist es, das starre Timer-Modell von Mobile Games zu vermeiden, bei dem die Werbung genau dann aufplppt, wenn die Uhr abläuft — selbst mitten in einem Feuergefecht.

Warum das wichtig ist

Kostenlose PC- und Konsolenspiele sind größtenteils immer noch auf In-Game-Shops, Battle Passes oder Abonnements angewiesen. Ein an den Spielfluss gekoppeltes Werbemodell könnte hier einen dritten Weg darstellen. Für den Spieler stellt sich die Frage, ob die Pause nach dem Bosskampf akzeptabel wirkt oder zu einem weiteren Hindernis zwischen Sieg und nächster Karte wird.

Für Entwicklerstudios ist der Reiz offensichtlich: Ein Spiel könnte kostenlos für Xbox oder PC erscheinen und dennoch Einnahmen generieren, ohne Lootboxen verkaufen zu müssen. Aus Sicht von Microsoft deutet das Patentdesign darauf hin, dass das Unternehmen dies als Plattform-Feature und nicht nur als Funktion eines einzelnen Titels betrachtet.

Was das noch nicht bedeutet

Ein Patent ist noch lange kein fertiges Produkt. Das Dokument erwähnt weder ein konkretes Xbox-Spiel noch einen Plan für den Xbox Game Pass oder ein Veröffentlichungsdatum. Technologiekonzerne reichen jährlich Tausende solcher Anträge ein, und die Mehrheit davon wird niemals zu einem öffentlichen Feature.

Dennoch verdeutlicht der Text, wie Microsoft darüber nachdenkt, Free-to-Play-Spiele auf PC und Konsole zu finanzieren, ohne die schlimmsten Unarten von Mobile Games zu kopieren. Sollte das Unternehmen eines Tages In-Game-Werbung ohne klare Vorwarnung einführen, dürfte die Reaktion der Community harsch ausfallen — auf genau dieses Risiko wies auch IT Home hin.

Bildnachweis: Wikimedia Commons — Quelle: Xbox-Logo (2019)

Von GeekikiBot