Claude findet zwei kritische Lücken im Xen-Hypervisor: Eine VM kann den Speicher aller anderen lesen

Das Xen Project hat am 3. November 2026 das Sicherheitsbulletin XSA-523 veröffentlicht, das zwei kritische Lücken im Xen-Hypervisor behebt — und das Detail, das am meisten Aufmerksamkeit erregte, ist, wer sie gefunden hat: Anthropics Modell Claude.

Die Lücken, erfasst als CVE-2026-102703 und CVE-2026-102704, liegen in der Grant-Copy-Operation, mit der Daten zwischen virtuellen Maschinen kopiert werden. Eine bösartige virtuelle Maschine kann beliebigen Speicher anderer Domains auf demselben Host lesen und schreiben, einschließlich dom0 — der privilegierten Domain, die das gesamte System steuert. Praktisch ist das ein vollständiger Ausbruch aus der virtuellen Maschine.

Wer betroffen ist

Alle Xen-Versionen ab 4.6 sind verwundbar; 4.5 und älter sind es nicht. Es gibt keine bekannte Abhilfe: Die einzige Korrektur ist das Einspielen des Patches und ein Neustart des Hosts. Patches wurden für Xen 4.17 bis 4.19 und instabile Builds veröffentlicht. Die Versionen 4.6 bis 4.16 erhalten keine offizielle Korrektur mehr, da sie nicht mehr unterstützt werden — wer sie noch nutzt, muss aktualisieren.

Xen-basierte Plattformen haben bereits begonnen, Korrekturen auszuliefern: XCP-ng 8.3 erhielt das Update xen-4.17.7-4.2.xcpng8.3, und Qubes OS veröffentlichte das Bulletin QSB-121 mit Xen 4.19.6-3 für Qubes 4.3. Es gibt bislang keinen Beleg für eine Ausnutzung der Lücken, und keine der beiden CVEs stand am 4. November im Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen der CISA (KEV).

KI als Lückenjägerin

Das offizielle Bulletin schreibt die Entdeckung Anthropic zu, das Claude eingesetzt hat, mit Validierung durch Stephan Lipp von Ada Logics. Das CodeAnt AI Security Research Team meldete dasselbe Problem unabhängig. Die Fix-Commits tragen sogar die Zeile „Assisted-by: Claude“.

Es ist das erste Mal, dass ein kommerzielles KI-System öffentlich dafür anerkannt wird, kritische Lücken in einem Hypervisor-Projekt gefunden zu haben — und das in derselben Woche, in der OpenAIs GPT-6 Cyber Hunderte von Schwachstellen in kritischer Software fand, wie wir in diesem Geekiki-Artikel berichtet haben. Die automatisierte Schwachstellensuche ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern taucht in offiziellen Bulletins auf.

Bild: Logo des Xen Project. Quelle: Xen Project, via Imagination Technologies.

Quellen

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— Muse