Anthropic hat am 27. Oktober 2026 eine Bilanz der ersten Ergebnisse beim Einsatz von Claude in der Medikamentenentwicklung veröffentlicht, auf der Grundlage von Partnerschaften mit sechs Organisationen: BigHat Biosciences, Bristol Myers Squibb, Divergence Labs, Enveda, Generate Biomedicines und The Column Group. Das Unternehmen kündigte außerdem an, eigene Programme zur Wirkstoffentdeckung zu starten, mit der Übernahme von Mithril Medicine.
Der zentrale Punkt der Ankündigung ist die Breite der Arbeit, nicht ein einzelnes Medikament. Nach Angaben von Anthropic sind die Engpässe in der Medikamentenentwicklung über den gesamten Prozess verteilt — von der Zielidentifizierung und dem Moleküldesign über die Herstellung, die regulatorische Dokumentation bis zur Planung klinischer Studien — und Claude wurde in jeder dieser Phasen eingesetzt, mit je nach Projekt unterschiedlichem Autonomiegrad.
Bei Generate Biomedicines nutzten sechs Wissenschaftler Claude Code, um neue Designs für eine genetische Komponente der CAR-T-Zelltherapie vorzuschlagen, die gegen Blutkrebs eingesetzt wird und die das Unternehmen an solide Tumoren anpassen will. Eines der Designs war etwa 70 % kürzer als die Standardversion und ließ in Labortests Immunzellen etwa 10-mal so viele Rezeptoren bilden, Tumorzellen effizienter abtöten und länger aktiv bleiben.
Bei Divergence Labs, das sich auf Nahrungsmittelallergien konzentriert, verwandelte Claude die Ziele des Unternehmens in einen detaillierten Plan und erzeugte, weitgehend autonom, in etwa einem Monat rund 35.000 Antikörperdesigns. In ersten Tests banden sich drei Designs an IgE, das Molekül, das an der allergischen Reaktion beteiligt ist, und 20 lösten es von Immunzellen ab, drei davon mit besserer Leistung als das Standardmedikament in diesem Test. Der nächste Schritt ist, beide Arme des Designs zu einem einzigen Wirkstoffkandidaten zu kombinieren.
Bei BigHat Biosciences schlug Claude, an das Labordatensystem des Unternehmens angebunden, Änderungen an zwei Antikörperfragmenten vor. Das Labor stellte in etwa 10 Wochen rund 1.010 Varianten her und testete sie. Die besten Versionen banden mehr als 10-mal so stark an das Ziel, der Krebs-Kandidat blieb bei einer um 18 °C höheren Temperatur in Lösung, und der länger wirksame Kandidat verklumpte mehr als 100-mal langsamer.
Bei Enveda war der berichtete Gewinn operativ: Ein System, das Herstellungsdokumente mit Claude verbindet, meldete in Tests mit 1.061 Seiten alle 11 Probleme, die menschliche Prüfer bereits gefunden hatten, plus sieben weitere. Die menschliche Prüfzeit sank um 89 %, von über 25 Stunden auf unter drei. Separat verfasste Claude den ersten Entwurf eines regulatorischen Dokuments in vier Stunden, gegenüber etwa drei Monaten im manuellen Verfahren, so das Unternehmen.
Bristol Myers Squibb nutzt Claude, um Pläne für klinische Studien eines Medikaments in einem frühen Stadium zu bewerten und die Erfolgswahrscheinlichkeit dieser Studien zu schätzen, mit einer Ausweitung im Jahr 2027. Mit The Column Group arbeitet Anthropic an der Gründung von Pleiades, einem Unternehmen, das Claude nutzen wird, um mehr Wirkstoffprogramme durchzuführen als für ein kleines Team üblich; seine erste Claude-Fähigkeit zur Bewertung, ob sich ein therapeutisches Ziel lohnt, wurde an 45 Ziel-Krankheits-Paaren getestet.
Im eigenen Programm entwickelt Mithril Medicine, ein Ein-Personen-Unternehmen, das von Cody Tranbarger gegründet und nun von Anthropic übernommen wurde, Behandlungen für zwei seltene Formen der Muskeldystrophie im Kindesalter. Tranbarger nutzte Claude, um Verträge, Logistik und Experimente mit 11 externen Laboren zu organisieren, und eine mögliche Behandlung erzielte in weniger als 18 Monaten vielversprechende Ergebnisse bei Mäusen. Sollten sich die Kandidaten weiterhin bewähren, erwartet Anthropic, dass ein Medikament bereits Ende 2028 bereit sein könnte, klinische Studien am Menschen zu beginnen — eine Prognose, keine Zulassung und kein Wirksamkeitsnachweis beim Menschen.
Diese Grenze gilt für die gesamte Bilanz: Anthropic selbst sagt, dass die Forschung noch in einem frühen Stadium ist und größtenteils präklinisch, das heißt, die Kandidaten werden größtenteils noch nicht am Menschen getestet. Die veröffentlichten Zahlen sind Ergebnisse, die das Unternehmen und seine Partner in technischen Berichten mitgeteilt haben, ohne eine in der Ankündigung veröffentlichte unabhängige Bewertung. Um Forschern den Zugang zu erweitern, kündigte das Unternehmen außerdem Claude Science, eine Forschungs-Workbench, Guthaben für Life-Science-Forscher und ein Verifizierungsprogramm für zugelassene Organisationen sowie einen offenen Aufruf an Gastforscher an.
Quellen: Anthropic — Early progress on accelerating drug development with Claude; Unite.AI — Anthropic Reports Early Drug Development Progress With Claude; Becker's Hospital Review — Anthropic buys drug startup, reports Claude results with 6 partners.
Bildnachweis: Ein biomedizinischer Forschungstechniker pipettiert eine Probe für eine translationale therapeutische Studie an der School of Medicine der University of Pennsylvania (University of Pennsylvania School of Medicine Photo/Dan Naylor), via Wikimedia Commons. Das Bild veranschaulicht Laborarbeit und zeigt kein Labor von Anthropic.
Transparenz: Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und mit öffentlichen Beiträgen sowie den oben aufgeführten Internetquellen abgeglichen. Die Ergebnisse sind vorläufig und größtenteils präklinisch; konsultieren Sie die Originalquellen, bevor Sie Schlussfolgerungen über Behandlungen ziehen. Kein hier erwähntes Medikament wird als zugelassene Behandlung dargestellt.
Muse